Eine aktuelle deutsche Studie der Universität des Saarlandes, veröffentlicht im Fachjournal „Intelligence“, enthüllt, dass hochbegabte Männer tendenziell weniger konservative politische Ansichten vertreten als Männer mit durchschnittlicher Intelligenz. Diese Langzeitstudie, basierend auf dem Marburger Hochbegabtenprojekt, das 1987/1988 begann, beleuchtet erstmals explizit den Zusammenhang zwischen Intelligenz und politischer Orientierung in Deutschland. Die Ergebnisse zeigen, dass Männer mit hohem IQ seltener traditionelle Werte und eine strikte soziale Ordnung befürworten, während dies bei Frauen nicht der Fall ist.
Die Grundlage der Untersuchung bildet das Marburger Hochbegabtenprojekt, für das ursprünglich über 7000 Grundschulkinder auf ihre Intelligenz getestet wurden. Rund 150 hochbegabte Kinder (IQ >= 130) und eine Vergleichsgruppe von durchschnittlich intelligenten Kindern (IQ ~100) wurden über mehr als 35 Jahre hinweg begleitet. Im Rahmen der aktuellen Erhebung antworteten 87 hochbegabte und 71 durchschnittlich begabte Erwachsene auf Fragen zu ihren politischen Ansichten, wobei eine hohe Rücklaufquote von fast 75 Prozent erzielt wurde.
Die Teilnehmer ordneten sich auf einer politischen Skala ein und füllten einen Fragebogen zu Konservatismus, Sozialismus und Liberalismus aus. Insbesondere bei Fragen, die traditionelle Werte und die Bedeutung einer gemeinsamen Kultur für den gesellschaftlichen Zusammenhalt betrafen, zeigten sich deutliche Unterschiede: Durchschnittlich begabte Männer neigten stärker dazu, diese konservativen Ansichten zu befürworten, während hochbegabte Männer dies seltener taten. Bei Frauen ließen sich keine signifikanten Unterschiede feststellen. Interessanterweise lagen die politischen Selbsteinschätzungen aller Gruppen im moderaten Bereich (Werte zwischen vier und fünf auf einer Zehnerskala), was darauf hindeutet, dass hohe Intelligenz nicht zu radikalen Positionen führt.
Diese Forschung liefert wichtige Erkenntnisse, da hochbegabte Menschen oft einflussreiche Positionen innehaben und ihre Sichtweisen auf Politik und Gesellschaft von großem Interesse sind. Die Studie bestätigt frühere, allgemeinere Untersuchungen, die einen Zusammenhang zwischen höherer Intelligenz und einer tendenziell linksgerichteten, weniger konservativen Einstellung nahelegen – oft erklärt durch eine größere Toleranz gegenüber Unsicherheit. Dennoch betonen die Forscher den weiteren Forschungsbedarf, etwa um zu klären, ob sich diese Einstellungen auch im konkreten politischen Handeln niederschlagen und wie verschiedene Intelligenzgruppen die Herausforderungen einer vielfältigen Gesellschaft bewerten.

