Das private Rettungsteam für den in der Ostsee gestrandeten Wal meldet nach eigenen Angaben gute Fortschritte bei den Befreiungsarbeiten. Constanze von der Meden, Sprecherin der Initiative, äußerte sich optimistisch im Hafen von Kirchdorf auf der Insel Poel: „Wir sind auf einem sehr guten Weg.“ Die Saugarbeiten zur Annäherung an den Wal schreiten voran, wobei auch die Möglichkeit eines selbstständigen Freischwimmens durch einen erwarteten Wasserstandsanstieg von bis zu 60 Zentimetern besteht. Tierärztin Janine Bar-van Gemmert bestätigt den deutlich tieferen Atem des Tieres als „gutes Zeichen“ und versichert, dass der Wal nicht in seinen letzten Zügen liege.
Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) bestätigt den Umständen entsprechend „einigermaßen“ guten Zustand des Wals: „Er lebt, er atmet.“ Der Buckelwal werde von insgesamt fünf Tierärzten betreut, darunter drei der privaten Initiative und zwei der staatlichen Veterinärverwaltung. Backhaus hob hervor, dass der Wal Signale gebe, vokalisiere und Aktionen zeige. Ein Transport des gestrandeten Wals könnte laut Initiative auch spätabends oder nachts beginnen. MediaMarkt-Mitgründer Walter Gunz, einer der Geldgeber, betonte, die Tageszeit spiele für den Rettungsversuch keine Rolle, kritisierte jedoch „unsägliche bürokratische Maßnahmen“, die einen Tag verloren hätten. Backhaus wies diese Kritik zurück und verwies auf zügige Genehmigungsverfahren, wie die Zulassung einer aus Hawaii eingeflogenen Tierärztin.
Für den Transport des 12,35 Meter langen, 3,20 Meter breiten und 1,60 Meter hohen Buckelwals traf am Sonntag der Schlepper „Robin Hood“ im Hafen von Wismar ein. Kapitän Martin Bocklage freut sich auf die Herausforderung. Geplant ist, eine zwischen Pontons befestigte Plane unter den Wal zu führen, um ihn aus dem flachen Bereich zu bergen und anschließend von dem Schlepper an einer langen Leine Richtung Nordsee zu ziehen. Livestreams zeigten am Sonntagnachmittag einen Bagger, der Sand unter dem Tier abpumpte, während Taucher Plane und Netz für die Transportkonstruktion ausrichteten.
Die Arbeiten der privaten Initiative laufen seit Donnerstag, wobei der Transport ursprünglich für Freitag vorgesehen war. Der geschwächte Wal liegt bereits seit Ende März vor der Insel Poel. Wissenschaftler und Behördenvertreter waren nach umfassender Prüfung zuletzt einig, dass der Wal Ruhe benötige und weitere Eingriffe ihm massive Schäden zufügen würden. Sie schätzten den Buckelwal als orientierungslos, zu schwach und geschädigt ein, um die Heimreise in die Nordsee zu schaffen. Trotz dieser Einschätzung setzt die private Initiative ihre Bemühungen fort, das Tier lebend zu retten.

