Hunderte Menschen demonstrierten in Oldenburg gegen Polizeigewalt, ein Jahr nach den tödlichen Schüssen auf den 21-jährigen Lorenz. Die Kundgebung diente dem Gedenken an Lorenz, der im April 2025 bei einem Polizeieinsatz in der Fußgängerzone erschossen wurde. Der beteiligte Polizist ist wegen fahrlässiger Tötung angeklagt, wobei das Landgericht Oldenburg über die Eröffnung eines Hauptverfahrens entscheidet. Der gewaltsame Tod des Schwarzen hatte für breites Entsetzen und tiefgreifende Anteilnahme in der Öffentlichkeit gesorgt und eine wichtige Debatte angestoßen. Auf dem Pferdemarkt versammelten sich nach Polizeiangaben rund 700 Menschen, während die veranstaltende Initiative »Gerechtigkeit für Lorenz« im Vorfeld bis zu 5.000 Teilnehmer erwartet hatte.
Demonstrationsteilnehmer trugen Banner und Plakate mit Aufschriften wie »Gerechtigkeit für Lorenz« und »Gerechte Aufklärung jetzt!«. Die Initiative »Gerechtigkeit für Lorenz« und weitere Aktivisten vermuten einen rassistischen Hintergrund der tödlichen Schüsse. Die Ermittlungen legen hingegen nahe, dass der Polizist sich irrtümlich in einer Notwehrsituation wähnte. Die Initiative erklärte, mit der Demonstration Solidarität mit den Angehörigen von Lorenz auszudrücken und ein würdevolles Zeichen in seinem Gedenken zu setzen. Gleichzeitig sollte aufmerksam gemacht werden, dass der gewaltsame Tod von Lorenz aus ihrer Sicht kein Einzelfall ist. An der Kundgebung beteiligten sich daher auch Gruppen, die an andere Opfer von Polizeigewalt erinnerten.
Ein zentrales Anliegen der Initiative ist die Forderung nach einem strukturellen Wandel innerhalb der Polizei. Dazu gehören die Schaffung unabhängiger Ermittlungsstellen auf Bundes- und Landesebene, die vollständig von Polizei und Staatsanwaltschaft getrennt sein sollen. Des Weiteren werden zivilgesellschaftlich getragene Untersuchungskommissionen bei jedem tödlichen Polizeieinsatz verlangt. Die Initiative setzt sich zudem für eine bundesweit verbindliche Bodycam-Pflicht ein und fordert verpflichtende rassismuskritische Inhalte in der Polizeiausbildung, um zukünftige Vorfälle dieser Art zu verhindern und das Vertrauen in die Exekutive zu stärken.
Lorenz, zum Zeitpunkt seines Todes 21 Jahre alt, wurde im Jahr 2025 erschossen. Die tödlichen Kugeln trafen den jungen Deutschen von hinten in Oberkörper, Hüfte und Kopf. Laut Ermittlungsergebnissen soll der schießende deutsche Beamte irrtümlich angenommen haben, sich in einer Notwehrlage zu befinden. Die Staatsanwaltschaft gibt an, dass der 21-Jährige zum Zeitpunkt der Schüsse versuchte zu fliehen, um einer Festnahme zu entgehen. Freunde und Familie des Getöteten fordern indes eine Anklage wegen Totschlags, da sie von einer vorsätzlichen Tötung ausgehen und die Umstände als nicht gerechtfertigt betrachten.
