Bundesweit sind Zehntausende Menschen auf die Straße gegangen, um eine rasche Energiewende zu fordern und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu beenden. Laut Angaben der Organisatoren beteiligten sich über 80.000 Demonstrierende, darunter allein 24.000 in Berlin, 15.000 in Hamburg, 30.000 in Köln und 12.000 in München. Diese Zahlen stehen im Kontrast zu den ersten Schätzungen der Polizei, die in Köln von 4.500 und in Berlin von 9.000 Teilnehmenden ausging. Die Demonstrationen, die unter dem Motto “Erneuerbare Energie verteidigen” stattfanden, markierten einen deutlichen Aufruf an die Bundesregierung, ihren Kurs zu ändern und mehr Tempo beim Ausbau grüner Energien zu machen.
Im Zentrum der massiven Kritik stand Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU). Die Demonstrierenden warfen ihr vor, die falschen Ziele zu verfolgen und den Ausbau erneuerbarer Energien aktiv auszubremsen. Besondere Empörung riefen Reiches Pläne hervor, die Einschränkung des Ausbaus erneuerbarer Energien und die verstärkte Nutzung von Gaskraft. Transparente wie “Reiche erneuern” und “Modernisieren statt konservieren” spiegelten die Frustration wider. ARD-Korrespondent Severin Pehlke berichtete aus Hamburg von einer spürbaren Wut und hochkochenden Emotionen der Menschen, die einen Kurswechsel von der Ministerin und Teilen der Union forderten, welche den Ausbau von Sonnen- und Windkraft verlangsamen wollten.
Führende Klimaaktivisten untermauerten die Dringlichkeit der Forderungen. Luisa Neubauer sprach zum Auftakt vor dem Berliner Wirtschaftsministerium von einer “Unterwanderung der Energiewende”, die nicht der Bezahlbarkeit diene, sondern dem “Erhalt fossiler Gewohnheiten und fossiler Macht”. Sie betonte die existenziellen Risiken fossiler Abhängigkeit, die sich in eskalierenden Energiepreisen, geopolitischen Krisen und autoritären Regimen zeigten, und verwies auf die Unmöglichkeit von Produktion in Flutgebieten. Annika Rittmann von “Fridays for Future” Hamburg kritisierte den Tankrabatt als Beispiel dafür, wie der Staat das fossile Modell fördere und den Umstieg auf nachhaltige Mobilität erschwere, indem Gelder in fossile Sektoren statt in nachhaltige Projekte fließen.
Während die Proteste landesweit auf breite Unterstützung stießen, warnte Wirtschaftsministerin Reiche ihrerseits vor Fehlinvestitionen. Ein konkreter Punkt auf ihrer Streichliste ist die bisherige fixe Einspeisevergütung für Solarstrom, deren Abschaffung oder Reduzierung von den Demonstranten als weiterer Rückschlag für die Energiewende interpretiert wird. Die Forderung nach “mehr Tempo” beim Ausbau von Sonnen- und Windkraft steht damit im direkten Widerspruch zur von der Ministerin vorgeschlagenen vorsichtigeren Herangehensweise, was die politische Debatte um die zukünftige Energiepolitik Deutschlands weiter anheizt und die Spannungen zwischen Regierung und Klima-Bewegung verdeutlicht.

