Der Bürgerentscheid zur Ausrichtung der Olympischen und Paralympischen Spiele in Nordrhein-Westfalen ist kurz vor dem Abschluss, und die Zeichen stehen auf Zustimmung. Rund 40 Prozent Wahlbeteiligung in Köln wertet Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) bereits als Erfolg. Er treibt die Bewerbung seiner Stadt und 16 weiterer Kommunen in NRW für die Austragung der Spiele 2036, 2040 oder 2044 voran. Burmester ist zuversichtlich, dass eine “große Zustimmung” für das ambitionierte Vorhaben vorliegt, welches Rudern in Duisburg, Leichtathletik in Köln und Schwimmen in Gelsenkirchen vorsieht. Dieses dezentrale Konzept soll die Spiele breit im Land verteilen.
Das nordrhein-westfälische Konzept unterscheidet sich maßgeblich von den Bewerbungen anderer Metropolen wie Hamburg, München und Berlin. Statt einer zentralen Ausrichtung setzt NRW auf eine Verteilung der Disziplinen auf insgesamt 17 Städte und Kommunen, von großen Zentren bis hin zu kleineren Orten. So sind beispielsweise Schwimmwettkämpfe in der Arena auf Schalke, Handball und Volleyball in Düsseldorf, Turnen und Rollstuhlbasketball in der Kölner Arena geplant. Selbst kleinere Städte beteiligen sich: Krefeld plant Taekwondo-Wettkämpfe, Pulheim Golf. Diese breite Streuung nutzt vorhandene Sportstätten und soll die gesamte Region einbeziehen.
Die Finanzierung der Olympischen Spiele ist stets ein kritischer Punkt. Für die Durchführung der Spiele in NRW sind laut Land Kosten von 4,8 Milliarden Euro eingeplant, denen Einnahmen von geschätzten 5,2 Milliarden Euro durch Ticketverkäufe und Tourismus gegenüberstehen sollen. Kritiker wie Libor Holubec aus Köln mahnen jedoch, dass Investitionen eher in die grundlegende Infrastruktur fließen sollten. Die Sorge vor Kostenexplosionen ist real, wie das Beispiel Paris 2024 zeigt, wo die Kosten von 6 auf 9 Milliarden Euro stiegen. Jörg Detjen vom Bündnis “NOlympia Colonia” befürchtet, dass Bundeszuschüsse primär dem Spitzensport zugutekommen, während der Breitensport auf der Strecke bleibt. Befürworter wie Student Milan Faust sehen in den Spielen jedoch eine Chance für infrastrukturelle Verbesserungen, etwa bei der Barrierefreiheit und der Schaffung von Studierendenwohnheimen im Olympischen Dorf.
Ein zentrales Argument der Befürworter, insbesondere von Oberbürgermeister Burmester, ist die Nutzung bereits vorhandener Sportstätten. Dies soll den Neubau minimieren und primär Umbauten erfordern, etwa für ein Olympia-taugliches Schwimmbecken in der Schalke-Arena. Dennoch sind neue Infrastrukturprojekte, wie ein Olympisches Dorf und ein temporäres Leichtathletikstadion im Kölner Norden, geplant, die nach den Spielen in Wohnraum umgewandelt werden sollen. Diese Punkte könnten das Budget laut Kritikern schnell sprengen. Das Ergebnis des Bürgerentscheids wird am Sonntagabend erwartet. Burmester betont die entscheidende Rolle Kölns: Ohne die Zustimmung der Domstadt würde die gesamte Olympia-Vision für NRW “wackeln”, auch wenn Alternativen für kleinere Städte gefunden werden könnten.

