US-Präsident Donald Trump drängt vehement auf einen schnellen Deal mit dem Iran, um innenpolitische Probleme und die Belastung durch einen chaotischen Krieg vor den anstehenden Zwischenwahlen im November zu lösen. Der Krieg schadet seiner Glaubwürdigkeit und lässt die MAGA-Anhänger zweifeln. Trump braucht einen Verhandlungserfolg, um Eskalation zu vermeiden und seine Position zu festigen. Seine Äußerungen, die eine schnelle Einigung ankündigen und die Iraner als Bittsteller darstellen, dienen der öffentlichen Wahrnehmung. Er hat signalisiert, bei Misserfolg Vize Vance die Schuld zu geben, bei Erfolg aber das Lob einzustreichen – dies unterstreicht seine Notwendigkeit für einen schnellen Abschluss.
Für die heiklen Verhandlungen hat Trump Vizepräsident JD Vance eingesetzt. Vance, der sich Berichten zufolge ursprünglich gegen den Krieg ausgesprochen haben soll, gilt als pragmatischere Wahl und kann die katastrophalen Folgen einer Eskalation besser einschätzen. Im Gegensatz zu risikofreudigeren Kabinettsmitgliedern ist Vance kein Interventionist und wurde offenbar auch von der iranischen Delegation ausdrücklich als Gesprächspartner gewünscht. Diese Präferenz der iranischen Seite könnte eine Vertrauensbasis schaffen und die Chancen auf eine Einigung erhöhen. Vance’s Rolle ist entscheidend, um einen diplomatischen Weg zu finden, der den Konflikt beendet und Trump den dringend benötigten politischen Erfolg liefert.
Auch der Iran hat ein starkes Interesse daran, den Konflikt zu beenden, möglicherweise sogar noch dringender als die USA. Trotz der Konsolidierung des Regimes und seiner Fähigkeit, Gegner zu treffen, würde eine weitere militärische Eskalation die ohnehin fragile Stabilität des Systems ernsthaft gefährden. Die hohen Kosten des Krieges, verstärkt durch die von Trump verhängte Seeblockade iranischer Häfen, setzen Teheran unter erheblichen Druck. Obwohl der Iran seine strategischen Vorteile genutzt hat, steigt der Preis für die Konfrontation stetig. Eine Fortsetzung des Krieges würde das iranische Regime früher oder später unweigerlich zu einem Verlierer machen. Daher sucht Teheran einen Weg, die Eskalation zu vermeiden und Zeit zu gewinnen, um interne Machtfragen zu klären. Ein Deal, der nicht als vollständige Kapitulation erscheint, ist für die iranische Führung essenziell.
Angesichts der beidseitigen Abneigung gegen eine weitere Eskalation stehen die Chancen für eine Einigung gut. Trump benötigt einen politisch tragbaren Deal, während das iranische Regime einen zum Überleben braucht. Es wird erwartet, dass ein Kompromiss erzielt wird, der Kernpunkte wie das Uranprogramm, die Passage durch die Straße von Hormus, Sanktionen sowie Dauer und Kontrolle von Beschränkungen regelt. Ein grober Rahmen oder ein temporäres Arrangement statt eines umfassenden Abkommens könnte der bevorzugte Weg sein, um die Waffenruhe zu sichern und Zeit für weitere Verhandlungen zu gewinnen. Dies würde dem Regime Raum zur Neuordnung geben und Trump einen vorläufigen Frieden liefern, den er als Erfolg verkaufen kann. Das Ziel ist ein Kompromiss, der niemanden eindeutig als Verlierer dastehen lässt und beiden Seiten Zeit verschafft.
